Gewerkschaftssekretär Jan Spengler begrüßte die Delegierten zur zweiten Delegiertenversammlung des Jahres am 11.06.2026 in der Waldseehalle in Forst ganz herzlich. Denis Davidovac von der Bezirksleitung und Adrian Glock vom IG Metall Vorstand konnte als Gäste begrüßt werden.
Im Geschäftsbericht von Dirk Becker, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Bruchsal und den Berichten von Denis Davidovac und Adrian Glock wurden folgende Kernthemen ausgeführt und anschließend diskutiert:
Solidarität gewinnt – Tarifrunde in der M&E-Industrie startet
Dirk zeigte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die damit verbundenen Herausforderungen für die Tarifrunde in der M&E-Industrie auf und ging auf den aktuellen Planungsstand des Bezirks Baden-Württemberg und der Geschäftsstelle Bruchsal ein.
Am 01. Juni ist die Beschäftigtenbefragung der IG Metall zur Tarifrunde an den Start gegangen.
"Wir wollen die Tarifrunde 2026 beteiligungsorientiert angehen. Unsere Tarifpolitik soll die Sorgen und Nöte der Beschäftigten verringern. Dazu ist es notwendig mit den Leuten zu sprechen und das werden wir in den kommenden Wochen in den Betrieben im Rahmen der Beschäftigtenbefragung tun, damit unsere Forderung gut passt.", sagte Dirk hierzu.
Die Ergebnisse der Befragung werden bei der Forderungserstellung eine zentrale Rolle in der betrieblichen Diskussion und in der großen Tarifkommission spielen.
Denis ergänzte die weiteren Einflussfaktoren bei einer Tarifrunde und zeigte den aktuellen Diskussionsstand u.a. zur Frage, ob wir auch eine qualitative Forderung zusätzlich zur Entgeltforderung aufstellen und an die Arbeitgeber übergeben wollen. Abschließend rief er die Delegierten dazu auf, für eine hohe Beteiligung bei der anstehenden Befragung zu sorgen.
NEFF bleibt BRETTEN
Im Geschäftsbericht von Dirk gab es natürlich auch ein Update zum aktuellen Stand bei NEFF.
Der BR hat ein Alternativkonzept zur arbeitgeberseitig beabsichtigten Schließung auf den Tisch gelegt. Darin wird aufgezeigt, wie der Traditionsstandort wirtschaftlich stabil fortgeführt werden kann, ohne betriebsbedingte Kündigungen anzuwenden. Mehr dazu findet ihr in unserer Pressemeldung vom 04. Mai 2026.
Seit der Vorstellung und Übergabe des Konzepts am 30.04.2026 hat die Arbeitgeberseite alle angesetzten Termine abgesagt. Eine Rückmeldung dazu ist nun für den 23. Juni 2026 geplant.
"Zwischenzeitlich haben sich BR, Belegschaft und IG Metall weiter auf eine Auseinandersetzung mit der Arbeitgeberseite vorbereitet und das Ziel ist nach wie vor klar: NEFF bleibt Bretten!", sagte Becker dazu abschließend.
Über weitere Aktivitäten zum Erhalt des Standortes und der Arbeitsplätze werden wir rechtzeitig informieren und alle bisherigen Unterstützer wieder mit einbeziehen.
Sozial ist MUSS!
Die Debatte um die Sozialstaats-Reformen ist in vollem Gange und die ersten Ergebnisse von Expertengruppen liegen vor bzw. die ersten Kabinettsbeschlüsse sind erfolgt.
Dazu war Adrian Glock vom Vorstand der IG Metall nach Bruchsal gekommen, um die aktuellen Entwicklungen einzuordnen und aus Sicht der IG Metall zu bewerten.
In den derzeitigen Debatte wird von der Politik, von Wirtschaftslobbyisten und von Arbeitgebervertretern gerne behauptet, dass unser Sozialstaat in der heutigen Form nicht mehr finanzierbar wäre und die Kosten explodieren würden. Dies dient dazu, Leistungskürzungen zu Lasten von Arbeitnehmern zu legitimieren.
Adrian führte aus, dass hier nicht die absoluten Zahlen der Ausgaben zu betrachten sind, sondern die Sozialleistungsquote, also das Verhältnis von Sozialleitungen zum Brutto-Inlandsprodukt. Diese hat sich in den letzten 15 Jahren kaum verändert und schwankt um die 30%. Deutschland liegt damit im internationalen Vergleich mit anderen Industrienationen im Mittelfeld.
Aus Sicht von Beschäftigten gibt es folgende Ansprüche an unseren Sozialstaat:
- Eine Rente, die den Lebensstandart im Alter sichert
- Eine Pflege, die im Bedarfsfall bezahlbar ist
- Eine gute Gesundheitsversorgung, die bezahlbar ist und
- eine funktionierende Kinderbetreuung, die man sich leisten kann.
Daher fordern wir als IG Metall:
- Faire Besteuerung von hohen Einkommen und Vermögen
- Solidarischer Mix aus Einnahmen und Steuern
- Keine (weitere) Privatisierung von sozialstaatlichen Leistungen
- Weitere Reform der Schuldenbremse (auch) zur Investition in soziale Infrastruktur
Unser Sozialstaat ist grundsätzlich finanzierbar und wir können uns einen gut ausgebauten Sozialstaat leisten. Dafür müssen die richtigen Reformen auf den Weg gebracht werden. Das fordern wir als IG Metall und dafür stehen wir als IG Metall.
Alle Positionen, Forderungen und Fakten zum Thema Sozialstaat aus unserer Sicht findet ihr hier.
Das Fazit von Adrian zu den aktuellen Entwicklungen war klar: Die vorliegenden Entwürfe und Beschlusslagen dürfen in dieser Form keinesfalls Gesetz werden und das müssen wir in den kommenden Wochen und Monaten aktiv verhindern.
Starkes "Team IG Metall" beim BR-Empfang der IGM Bruchsal
Vor der Delegiertenversammlung konnte die IG Metall Bruchsal fast 100 neu- und wiedergewählten Betriebsräte in der Waldseehalle in Forst zum BR-Empfang begrüßen.
Bei der Bildungsveranstaltung ging es darum, den neu zusammengesetzten BR-Gremien einen ersten Überblick zu den Handlungs- & Gestaltungsmöglichkeiten des Betriebsrats zu geben.
Einen weiteren Überblick gab es zu den Qualifizierungsmöglichkeiten des Betriebsrats.
Den Teilnehmenden wurde zudem aufgezeigt, welche Möglichkeiten der Unterstützung es für den BR gibt und wie diese genutzt werden können, um die anstehenden Herausforderungen im Betrieb zu meistern.
Auch die Unterstützungsangebote der IG Metall für die BR-Gremien wurde thematisiert und die ersten Netzwerke zwischen den anwesenden BR-Mitgliedern konnten geknüpft werden.
Vielen Dank an alle Kolleginnen und Kollegen die dabei waren und zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen haben.